Pappelfällungen an der A27 nicht in der Brutzeit!

  • BaumfaellungBürger drohen Bußgelder, Behörde genehmigt sich Ordnungswidrigkeiten selbst
  • "Naturfrevel erster Güte"
  • Fällstopp gefordert
  • keine offizielle Beteiligung der Umweltverbände
  • NABU fordert Kultur der Beteiligung
  • Beteiligung des grünen Senators ein Skandal

(Bremen, den 11/04/12) Hunderte Pappeln entlang der Autobahn werden gefällt, ihre Standsicherheit sei nicht mehr gegeben. Soweit ein Gutachten und soweit auch Konsens im Naturschutz. Der Zeitpunkt der Fällungen mitten in der Brutzeit lässt nicht nur den Piepmätzen Kamm und Hals schwellen. Der NABU in Bremen beklagt einen Naturfrevel "ausgerechnet aus einem Grünen-Ressort".

"Und wenn das Amt für Straßen und Verkehr zehn Ornithologen danebenstellt: Baumfällungen mitten in der Brutzeit sind ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz und ein Naturfrevel erster Güte", empört sich NABU-Geschäftsführer und gelernter Förster Sönke Hofmann, "das hätte man locker bis Februar hinkriegen können, schließlich waren wir schon zeitig im Herbst über die anstehenden Fällungen informiert worden."
Es sei ein fatales Signal, dass die Behörde Bürger mit Bußgeldern drohe, wenn sie ihre Bäume nach dem 1. März beschneiden und sich selbst jedoch kurzerhand Sondergenehmigungen für massive Ordnungswidrigkeiten ausstelle, so der NABU. "Die Vögel sind jetzt voll in der Brut, was wollen denn die Bürokraten mit den Eiern und Jungvögeln machen, die ihnen aus den Nestern entgegenplumpsen?!"
"Wir fordern einen sofortigen Fällstopp", so Sönke Hofmann, "nur etwaige wirklich gefährlichen Bäume sollten beschnitten oder gefällt werden. Ab Oktober können die Arbeiten dann ja fortgesetzt werden." Offiziell wurde der NABU überhaupt nicht informiert oder beteiligt. "Immerhin ist eine Saatkrähenkolonie betroffen und das Ganze ein sehr massiver Eingriff." Die Naturschützer fordern schon lange eine neue Kultur der Beteiligung und offenen Information von der Verwaltung.
Der eigentliche Skandal sei jedoch, dass die Aktion ausgerechnet aus dem Hause des grünen Senators Lohse komme. "Wir hatten im Februar noch zum Thema nachgehakt und keine Antwort bekommen. Vielleicht sollte der Senator mal genauer hinschauen, wer ihm aus seiner Verwaltung auf der Nase herumtanzt", empfiehlt der NABU.