Unsichtbarer Tod lauert an Glasflächen
- millionenfacher Vogeltod an Glasscheiben

- Vögel werden in die Irre geleitet
- wirkungsvolle Schutzmaßnahmen mit Spinnennetzeffekt
- ungeputze Scheiben retten Vogelleben
- Beratung und Hilfestellung unter 04 21 / 3 39 87 72
Ein dumpfer Schlag kündet von einem neuerlichen Unglück. Mit gebrochenem Genick und verdrehten Flügeln liegt der Spatz tot auf der Terrasse. Auf der Scheibe, die ihm zum Verhängnis wurde, prangt noch ein Abdruck des jungen Vogels, der mit voller Fluggeschwindigkeit gegen das Fenster geprallt war. Mit einfachen Methoden können Hausbesitzer die durchsichtigen Fallen allerdings entschärfen und so Vögel vor dem Tod bewahren.
"Allein in Deutschland kommen jährlich mehrere Millionen Vögel an Fensterscheiben ums Leben", erläutert Heidrun Nolte vom Naturschutzbund NABU Bremen Dabei sind es nicht nur kleinere Vögel, die durch den so genannten Vogelschlag zu Tode kommen. Sperber und sogar Störche prallten immer wieder gegen Scheiben, erläutert die Ornithologin.
"Dabei kommt es nicht auf die Größe der Glasfläche an. Oftmals reicht schon ein kleines Toilettenfenster aus, um die Vögel in die Irre zu leiten", sagt Heidrun Nolte weiter. In den Glasflächen spiegelt sich die Natur oder der Himmel. Hierdurch wird den Vögeln eine freie Fluglinie vorgegaukelt. Vor allem an den Stellen, an denen Glasflächen das Haus transparent machen, übersehen Vögel zudem einfach die Scheiben und prallen dagegen.
Jedoch können Vögel das UV-Licht wahrnehmen. Sie nutzen es zum Beispiel um Hindernisse zu erkennen und ihren Beutetieren nachzuspüren. Sie registrieren -selbst im Flug- Spinnennetze, weil diese das UV-Licht reflektieren. "Fensterscheiben tun das nicht - und werden deshalb von den Vögeln nicht als Hindernis erkannt", erläutert die Vogelexpertin.
Diesen Spinnennetz - Effekt will sich die Biologin nun zu Nutze machen, um den Tieren das Leben zu retten. Durch Muster aus transparenten UV-Absorbern, die für das menschliche Auge nicht sichtbar sind, könnten Scheiben "vogelbunt" gefärbt werden und so die Vögel vor Kollisionen warnen. Keinen Schutz vor Vogelschlag bieten dagegen die weit verbreiteten Raubvogelsilhouetten, die meist auf große Fensterflächen oder an gläsernen Bushaltestellen prangen. "Wenn die Scheibe spiegelt, werden diese Aufkleber von den Vögeln ebenfalls leicht übersehen", sagt Heidrun Nolte. Als effektiver habe es sich erwiesen, große Glasflächen durch Streifen oder andere Elemente aufzulösen. Dies müsse man aber möglichst schon in der Bauphase mit einplanen.
Zudem können sich Hausbesitzer und Vogelfreunde mit einem Trick behelfen. "Die einfachste Methode ist, die Scheibe außen nicht mehr zu putzen", empfiehlt die Expertin . Hierdurch können sich Staub und Pollen an der Scheibe ablagern. Diese wiederum absorbieren UV-Licht, wodurch die Scheibe für die Flugkünstler als Hindernis erkennbar wird.
"Wer an einem Gebäude viele tote Vögel findet, sollte zuerst einmal beobachten, ob es bestimmte Gefahrenstellen gibt", rät Heidrun Nolte. Beratung und Hilfestellung zur Entschärfung von Glasfallen am Gebäude gibt es beim NABU Bremen unter 04 21 / 3 39 87 72.
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