Ökologisch tote Weihnachtsbäume?

- Fichten schlagen für die Natur
- traditionelle Mitmach-Aktion war am Samstag
- "Lasst exotische Bäume in ihrer Heimat wachsen!“
- Weihnachtsbaumtipps
(Bremen, den 07/12/12) Natur oder Plastik? Topf oder geschlagen? Aus dem Wald oder Plantage? Alljährlich quälen diese Fragen das deutsche Gemüt, entzweien ganze Familien. Welchen Weihnachtsbaum es in diesem Jahr gibt, sollte auch von der ökologischen Seite her betrachtet werden, empfiehlt der NABU. Billige Plantagenbäume sind nicht nur für die Natur ein Problem, auch empfindliche Menschen leiden unter den Pestiziden, die in der Heizungsluft ausgasen.
Der beliebteste Weihnachtsbaum der Deutschen ist die Nordmanntanne. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Baum mit den lange festsitzenden Nadeln vom finnischen Botaniker Alexander von Nordmann im Kaukasus entdeckt. „Lasst solche Baumarten doch in ihrer Heimat wachsen“, appelliert Sönke Hofmann, Geschäftsführer des NABU, „im Garten, Wald und in Weihnachtsbaum-Plantagen sind sie ökologisch gesehen tot.“
Was viele beim anheimelnden Blick auf den geschmückten Baum vergessen ist, dass er 99,5 Prozent seiner Lebenszeit als wertloses Grün in der Natur stand. Mit exotischen Pflanzen könne die heimische Insektenwelt nichts anfangen, betont der gelernte Förster Hofmann. Für viele Singvögel und andere sympathische Gartenbewohner wie den Igel seien Insekten jedoch die Nahrungsgrundlage. Kaukasisches Grün führe daher zur ökologischen Verarmung.
Von den rund 20 Millionen Weihnachtsbäumen, die Deutschlands Wohnzimmer in den nächsten Wochen schmücken, stamme ein gutes Drittel aus dänischen Plantagen, hauptsächlich Nordmanntannen, so der NABU. Neben natürlichen ätherischen Ölen verströmt aus manchem Baum auch ein wahrer Giftcocktail. Nur ausnahmsweise werden in den Plantagen störendes Grün zwischen den Bäumen von Hand oder Tiermaul entfernt. Meist besorgt das die Giftspritze, erklärt Sönke Hofmann.
„Vom Herbizid gegen konkurrierendes Grün über Breitband-Insektizide gegen Käfer und Läuse bis zum nicht zu knappen Einsatz von Mineraldünger damit die Bäumchen möglichst leuchtend grün und blau daher kommen reicht der lange Arm der Chemie“, betont der NABU. Selbst mit genetisch veränderten Bäumen mit angeblich perfektem Wuchs und Schneeglöckchen-Genen gegen Schädlinge wurde schon experimentiert.
Kein Wunder, dass Umweltallergiker den NABU alljährlich um Rat und Quellen für giftfreie Weihnachtsbäume fragen. „Mein Baum ist ein möglichst knorrig-krummes Individuum aus dem Wald“, schmunzelt Hofmann, „selbstgeschlagen bei unserer Weihnachtsbaumaktion.“ Die NABU-Fichten stammen aus Naturverjüngungen bei Hambergen auf Standorten, wo besser Eichen und Buchen wachsen sollten.
Die von der Natur geformten und nicht immer absolut blickdichten Bäume bietet der NABU ab Montag, den 17. Dezember in seiner Geschäftsstelle, Contrescarpe 8, gegen Spende an. Mitglieder erhalten ihren Baum sogar kostenlos.
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