Mit Wundernetz gegen Frost

  • stockentenspur c Lutz WolframWärmetauscher in den Beinen
  • Warum Enten auf dem Eis nicht festfrieren
  • 80°C Unterschied auf 2 cm
  • Infobroschüre über Vögel im Garten


Mit dem Frost häufen sich wieder die Anfragen besorgter Naturfreunde beim NABU, ob denn die Vögel nicht unter den winterlichen Temperaturen leiden. Nicht nur aufgeplusterte Meisen in den Baumwipfeln erregen Mitleid. Wen es allmorgendlich vor eisigen Badfliesen schaudert, der fragt sich, warum denn die auf dem Eis watschelnden oder im Wasser paddelnden Enten keine kalten Füße bekommen oder womöglich über Nacht fest frieren.
„Die Vögel sind zwar ‘barfuß‘, aber das macht ihnen wenig aus“, beruhigt Sönke Hofmann, Geschäftsführer des NABU Bremen, Der Körper sei durch das Federkleid bestens isoliert, bei arktischen Vögeln herrsche zwischen Körper und Umgebung oft um 80 Grad Celsius Unterschied – mit gerade einmal zwei Zentimetern Federkleid dazwischen. Einige Vogelarten haben dazu an den federlosen Körperteilen einen raffinierten Wärmetauscher.

erpel auf eisschollen im see NABU

In diesem „Wundernetz“ liegen feine Blutgefäße sehr dicht beieinander. Das arterielle Blut strömt darin vom knapp 40 Grad warmen Körper Richtung Füße. Dabei fließt es sehr nah an den Venen vorbei, die das abgekühlte Blut aus den Füßen wieder zum Körper transportieren. So erwärmt das Blut sich im Gegenstromprinzip und es geht kaum Wärme verloren. „Das Tier kühlt selbst bei stundenlangem Gewatschel auf dem Eis nicht aus“, erklärt der Naturschützer die faszinierende „Erfindung“ der Natur.
Da die Füße mit relativ kühlem Blut durchströmt werden, schmilzt das Eis unter ihnen auch nicht. Es komme sogar vor, dass Enten, Gänse oder Schwäne bei extremem Frost nachts in einem Wasserloch einfrieren, so der NABU. Ohne menschliche Hilfe hat dann der Fuchs leichtes Spiel. „Das Wundernetz können die Vögel auch abschalten, wenn sie im Sommer den Körper über die Füße kühlen wollen“, zeigt sich Sönke Hofmann fasziniert.
Vogelkörper sind aber auch ansonsten hervorragend gegen Kälte isoliert. Über den wärmenden Daunen tragen die Vögel wetterfeste Deckfedern, die sie mit einem öligen Sekret aus der Bürzeldrüse regelmäßig einschmieren. Einzig der Kormoran hat kein gefettetes Gefieder – es würde ihn bei seinen oft 20 Sekunden langen Tauchgängen nach kleinen Fischen wie einen Korken an die Oberfläche treiben. „Deshalb sitzen die Fischjäger nach jeder Mahlzeit mit ‘traurig‘ hängenden Flügeln auf einem Poller. Sie trocknen sich und sehen dabei oft aus als wären sie Opfer einer Ölpest“ schmunzelt Hofmann.
„Kälte mag uns Menschen zwar unangenehm erscheinen - unsere heimischen Tiere haben sich im Laufe von ‘zig Jahrtausenden daran angepasst“, beruhigt der gelernte Förster. So fliehen die Zugvögel auch nicht in wärmere Gebiete, weil sie die Kälte bei uns nicht überstehen, sondern weil sie hier keine Nahrung mehr finden. „Als ausgeprägte Zugvögel bleiben manche Weißstörche dennoch hier, wenn sie durch den Winter gefüttert werden“, so der NABU-Geschäftsführer.
Die beste Winterhilfe für heimische Singvögel sei der naturgenäße Garten. In der Broschüre „Vögel im Garten“ gibt der NABU Tipps rund um die beliebten Piepmätze, ihre Lebensraumansprüche und empfehlenswerte Pflanzen. Die Broschüre gibt es für 4 Euro in Briefmarken beim NABU, Vahrer Feldweg 185, 28309 Bremen.