Jetzt Vögel füttern!

blaumeise_im_winter_bei_schnee_an_knoedel_NABU_voegel Angesichts von Schnee und Kälte laufen beim NABU die Telefone heiß: „Darf man jetzt endlich füttern?“, fragen besorgte Vogelfreunde. Nicht nur jetzt, rund ums Jahr „darf“ gefüttert werden, so der NABU. Allerdings müsse die Fütterung hygienisch erfolgen, sonst kann das gutgemeinte Futterhaus zum Krankheitsherd werden.
„Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber selbst die ornithologische Fachwelt beginnt, den Wert der Futterstellen zu erkennen“, stellt NABU-Geschäftsführer Sönke Hofmann fest. Der NABU Bremen vertritt schon seit Jahren eine fütterungsfreundliche Position - sehr zum Unwillen mancher „Fachleute der reinen Lehre“.
„In meinen ersten Jahren habe ich auch die gängigen Argumente nachgeplappert“, gibt der gelernte Förster zu, „es klang ja einleuchtend.“ So wurde behauptet, die Fütterung würde Zugvögel „umprogrammieren“. „Was die Biologen aber vor zwei, drei Jahrzehnten noch nicht ahnten, war der beginnende Klimawandel“, so Hofmann. Schlüsselerlebnisse waren eigene Beobachtungen am Nistkasten und ein Besuch der britischen Insel, wo die Bevölkerung „hemmungslos“ sommers wie winters füttert, ohne erkennbare Nachteile für die Vogelwelt.
„Es hieß auch immer, im Frühjahr würden die Vogeleltern dann Körner statt Insekten füttern und die Brut würde deshalb mißgebildet oder eingehen“, erzählt Sönke Hofmann und erklärt: „Die Suche nach eiweißreichen Insekten ist ein reines Instinktprogramm, unabhängig vom Knödel vor dem Fenster. Nur bei Nahrungsknappheit überbrücken die Vögel in ihrer Not mit Körnerfutter.“ Dies sei aber allemal sinnvoller, als die Brut verhungern zu lassen.
In seinem Schullandheim Dreptefarm betreibt der NABU schon seit Jahren Schaufütterungen an Fenstern rund ums Heim. „Wir sind dabei nicht beseelt vom Gedanken, mit unseren Fütterungen Arten zu retten. Aber für die Kinder ist selbst eine sehr häufige Kohlmeise auf zwei Meter Entfernung eine Sensation“, berichtet Hofmann. Vogelfütterung sei in erster Linie Umweltbildung, kein Artenschutz.
Wie wird nun nach Ansicht der Naturschützer “richtig“ gefüttert? „Zunächst sollte man sich ein vernünftiges Futtergerät zulegen oder selber bauen. Sogenannte Futterautomaten sind die beste Lösung. Hier bleibt das Futter trocken und kommt nicht mit dem Vogelkot in Berührung. Sonst erkranken die Vögel an Salmonellen und anderen Infektionen“, warnt der NABU. Die bekannten Futterhäuschen seien deshalb ungeeignet. Wer macht sich schon die Mühe, alle zwei Tage den Futterplatz gründlich zu säubern?
Als Futter seien die handelsüblichen Körnermischungen in der Regel gut geeignet. Manch billige Futtermischung enthalte jedoch auch ganze Weizenkörner. „Ein preiswerter Füllstoff, den die Vögel aber nicht fressen“, klärt Hofmann auf. Die Körner liegen dann unbeachtet auf dem Boden und müssten wieder aufgefegt werden.Hochwertiges Futter enthalte auch wenig Samen der für Allergiker gefährlichen Beifuß-Ambrosie. Das amerikanische Kraut hat besonders aggressive Pollen und breitet sich hauptsächlich durch die Futterstellen aus.
„Wer einen ‚Meisen-Magneten‘ am Fenster haben möchte, sollte ungeröstete Erdnüsse füttern“, gibt der NABU einen Tipp. Eine kostenlose Bauanleitung für solch einen Futterautomaten gibt es unter www.NABU-Bremen.de. Aber auch aufgespießte Äpfel, Haferflocken und Weizenkleie seien besonders für die Weichfutterfresser wie Amsel, Zaunkönig und Rotkehlchen geeignet.
Wie man den Vögeln im Garten noch weiter helfen kann, erklärt eine Broschüre, die der NABU, Contrescarpe 8, 28203 Bremen gegen drei Euro in Briefmarken zuschickt.

In 2007/2008 testete der NABU zehn Futtersorten.
Eine kostenlose Bauanleitung für solch einen Futterautomaten gibt es hier.